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Mieses Karma - David Safier

Genre: Roman

Seiten: 283

 

„Nichts hat sich Moderatorin Kim Lange mehr gewünscht, als den Deutschen Fernsehpreis. Nun hält sie ihn triumphierend in den Händen. Schade eigentlich, dass sie noch am selben Abend von den Trümmern einer russischen Raumstation erschlagen wird.

Im Jenseits erfährt Kim, dass sie in ihrem Leben sehr viel mieses Karma gesammelt hat. Die Rechnung folgt prompt. Kim findet sich in einem Erdloch wieder, mit sechs Beinen, Fühlern und einem wirklich dicken Po: Sie ist eine Ameise! Aber Kim hat wenig Lust, fortan Kuchenkrümel durch die Gegend zu schlappen. Außerdem kann sie nicht zulassen, dass ihr Mann sich mit einer Neuen tröstet. Was tun? Es gibt nur einen Ausweg: Gutes Karma muss her, damit es auf der Reinkarnationsleiter wieder aufwärtsgeht!“

Kim Lange ist eine bekannte deutsche Fernsehmoderatorin, die zur Verleihung des Deutschen Filmpreises eingeladen wird. Diese fällt ausgerechnet auf den Geburtstag ihrer kleinen Tochter Lilly, mit der sie ohnehin viel zu wenig Zeit verbring. Nun, was da wohl Vorrang hat ist klar und prompt bestellt sich Kim ihr extra für sie angefertigtes Kleid ins Hotel und will sich für die Verleihung des begehrten Preises ankleiden – es läuft jedoch alles schief. Und der Höhepunkt dieses absolut miesen Tages ist ihr Tod.

Kim, die nicht gläubig ist, landet somit auch nicht bei Jesus oder Mohammed, sondern bei Buddha, der ihr erklärt, dass sie in ihrem Leben wohl nicht wirklich gut gewesen war. Der Preis dafür ist eine niedrige Inkarnationsstufe, eine Ameise. Und so sehr Kim ihre neue Gestalt und Aufgabe auch hasst, so trifft sie immerhin eine weitere wiedergeborene Ameise, den berühmten Schwerenöter Casanova. Gemeinsam schmieden die beiden einen Plan, auf der Karmaleiter so schnell wie möglich nach oben zu kommen – Kim, weil sie auf keinen Fall ihrer ehemaligen Freundin und späteren Feindin Nina ihren Mann Alex überlassen will, von dem sie sich vor ihrem Tod nicht einmal sicher war, ob sie ihn noch liebte. Und Casanova, weil sich der Frauenheld gerade in ebendiese „Freindin“ seiner neuen Vertrauten verliebt hat. Und aus diesen nicht ganz unegoistischen Motiven gutes zu vollbringen, bringt beide nicht so schnell an ihr Ziel, wie sie gehofft hatten.

 

Stil:

David Safier bedient sich in diesem Buch der Ich-Perspektive, Kim Lange erzählt selbst von ihren vielen Leben, während sie nach ihrer ehemaligen großen Liebe Alex strebt und ihrer kleinen Tochter strebt. Eine einfach Sprache und somit leicht und fast in einem durch lesbar, jedoch ebenso traurig und nachdenklich. Kaum Metaphern oder andere Sprachbilder, dafür aber recht klare Ausdrucksweisen.

 

Kritik:

Sehr gut finde ich, dass man sich durch die Erzählung aus der Ich-Perspektive hervorragend in die Protagonistin hineinversetzen kann – und, dass der Autor, der immerhin ein Mann ist, das konnte. Komplexes Frauendenken, wenn auch manchmal etwas mit Klischees vermischt. Kim Lange erregt in dem Leser eine bunte Mischung aus Gefühlen – von Neid über Unverständnis und Mitleid ist alles dabei. Und die rührende Geschichte von einer Mutter, die alles tut, um endlich wieder ihrer Tochter nahe zu sein und dabei auch noch erkennt, dass sie für ihren Mann, den sie kaum mehr kennt, vielleicht doch noch mehr empfindet, ist zwar alt, aber dennoch immer noch süß. In dieser neuen Form, in der die Mutter ohne das Wissen ihrer Tochter kämpfen muss, ist es sogar noch ein kleines bisschen schöner.

Sehr schön zu sehen ist auch die Entwicklung von Kims Charakter, je weiter sie sich die Karmaleiter hinaufarbeitet sowie die Treffen und Pakte mit Casanova. Hier liegt allerdings auch der Kritikpunkt: Für einen Frauenhelden, der einige Jahrhunderte tot ist und seitdem nicht mehr unter Menschen lebte, weiß Casanova viel zu viel von der neuen Welt, kennt Worte und Wörter, die es damals ziemlich sicher noch nicht gab. Und redet deutsch! Ich meine, klar, das hilft dem Plot, aber trotzdem lässt es diese doch so einfallsreiche Figur wenig authentisch wirken. Sehr schade!

 

Fazit:

Auf jeden Fall ein Buch, dass einen zum Nachdenken anregt und einem zeigt, was wirklich wichtig ist. Keine hohe Literatur, aber ganz schön für einen oder mehrere sonnige Nachmittage auf der Wiese.

 

 

13.6.14 07:38
 
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